London / Euro Wire / – Laut einer umfassenden wissenschaftlichen Studie, die den Klimawandel als Ursache für die verschärfte Dürre in ganz Europa hervorhebt, ist menschliche Aktivität die eindeutige Ursache der extremen Trockenheit, die den Kontinent derzeit heimsucht. Ein globales Konsortium von Klimaforschern fand heraus, dass beispiellose Hitzewellen die Hauptursache dieser Bedingungen sind und die Auswirkungen geringer saisonaler Niederschläge überdecken. Europäische Länder sehen sich nach einer historischen Hitzewelle im Juni mit stark gesunkenen Flusspegeln, weitreichenden Wassersparmaßnahmen und schweren Waldbränden konfrontiert. Die Daten deuten darauf hin, dass ein wärmeres globales Klima die Verdunstung von Feuchtigkeit aus regionalen Land- und Wasserquellen massiv beschleunigt und so ein extrem instabiles und trockenes Klima schafft. Selbst bei unterdurchschnittlichen Niederschlägen im Frühjahr waren es die klimabedingten Temperaturspitzen, die die Situation zu einer kritischen Dürre verschärften.

Die World Weather Attribution Group veröffentlichte eine Studie, die detailliert beschreibt, wie steigende Temperaturen die natürlichen Wasserreserven aktiv verringern. Mariam Zachariah, Forscherin am Imperial College London, merkte an, dass die Dürre nicht primär auf geringe Niederschläge zurückzuführen sei, sondern auf eine wärmere Atmosphäre, die zu einem verstärkten Feuchtigkeitsmangel im Boden führe. Diese Dynamik bedeutet, dass das Dürrerisiko selbst in Regionen mit relativ unveränderten Niederschlagsmustern weiter steigt. Wissenschaftler erklären, dass eine wärmere Atmosphäre pro Grad Celsius Temperaturanstieg etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Diese erhöhte Aufnahmefähigkeit führt direkt zu einer verstärkten Verdunstung von Wasser aus Boden und Vegetation in der gesamten Landschaft.
Forscher quantifizierten die veränderte Wahrscheinlichkeit dieser Wetterereignisse, indem sie umfangreiche Wetterdaten und fortschrittliche Computermodelle nutzten, um die heutige, wärmere Welt mit einem um 1,4 Grad Celsius kühleren Klima zu vergleichen. Die Ergebnisse zeigen, dass extrem trockene Böden in Westeuropa heute fünfmal häufiger auftreten als in einer Welt ohne menschengemachte Erwärmung. In Osteuropa ist die Wahrscheinlichkeit für diese identischen Bodenfeuchtigkeitsdefizite sogar elfmal höher. Die Analyse verdeutlichte außerdem, dass außergewöhnlich hohe Verdunstungswerte, wie sie zwischen April und Juni in Westeuropa beobachtet wurden, etwa 80-mal häufiger auftreten. Das bedeutet, dass Niederschlagsdefizite, die früher keine schwere Dürre verursacht hätten, nun zu deutlich trockeneren Böden führen.
Dringender Aufruf zu globalen Emissionsreduzierungen
Der ETH-Zürich-Wissenschaftler Dominik Schumacher betonte die verstärkte Tendenz zu ungewöhnlicher Bodenaustrocknung, die bereits im Frühjahr vor Sommerbeginn auftritt. Er erklärte, dass mit steigenden Temperaturen der Wasserdurst der Atmosphäre rapide zunimmt und Flüssen, Seen, Stauseen und dem Boden lebenswichtige Feuchtigkeit entzieht. Die Kombination aus einem relativ feuchten Jahresbeginn und anschließender extremer Hitze schuf äußerst günstige Bedingungen für großflächige Waldbrände. Die rasche Austrocknung bereitete den Boden optimal auf die Verbrennung vor und trug so zu schweren Bränden in mehreren Ländern bei. Die Analyse bestätigt, dass der Klimawandel die Dürre in ganz Europa verschärft und traditionelle Wettermuster in hochgefährliche Zyklen überführt.
Der Agrarsektor steht aufgrund des weitverbreiteten Verlusts lebenswichtiger Bodenfeuchtigkeit unter enormem Druck. Die anhaltende Dürre setzt die Landwirte massiv unter Druck und führt zu historischen Ernteausfällen über Ländergrenzen hinweg. Frankreich erwartet derzeit die niedrigste Maisernte seit 50 Jahren, was auf massive Störungen in der regionalen Lebensmittelproduktion hindeutet. Gleichzeitig gefährdet der Verlust von über einer Million Hektar Mais in Rumänien die Stabilität der landwirtschaftlichen Lieferkette zusätzlich. Diese erheblichen nationalen Versorgungsengpässe bergen in Verbindung mit den anhaltenden globalen Konflikten das Potenzial, die Lebensmittelpreise in die Höhe zu treiben und einkommensschwache Haushalte unverhältnismäßig stark zu treffen.
Zukunftsprognosen für eine anhaltende Erwärmung
Hydrologische Auswirkungen verschärfen den wirtschaftlichen Schaden, da ungewöhnlich niedrige Flusspegel wichtige Gütertransportnetze unterbrechen. Massive Schifffahrtsunterbrechungen auf wichtigen Wasserstraßen verdeutlichen die zunehmende Schwere der kontinentweiten Wasserknappheitskrise. Der verringerte Wasserstand in großen Flüssen bedroht unmittelbar die Energieerzeugung in Regionen, die stark von einer kontinuierlichen Wasserkraftnutzung abhängig sind. Daten des Copernicus Climate Change Service bestätigen, dass der vergangene Juni der heißeste jemals in Westeuropa gemessene war. Viele Länder haben bereits Notfallmaßnahmen ergriffen oder vorübergehende Verbote für die nicht unbedingt notwendige Nutzung von Trinkwasser eingeführt, um die schwindenden Vorräte zu schonen.
Die Wissenschaft warnt davor, dass die derzeitigen Dürreperioden noch häufiger auftreten könnten, wenn die globalen Temperaturen weiter steigen. Experten betonen, dass diese extreme Verdunstung bereits bei einer Erwärmung von 1,4 Grad Celsius auftritt und verdeutlichen damit die unmittelbaren Gefahren der aktuellen Emissionswerte. Sollten die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad Celsius ansteigen lassen, könnte sich die Wahrscheinlichkeit dieser Verdunstungsbedingungen verdoppeln. Ohne rasche und entschiedene Emissionsreduzierungen, so warnen Experten, steuert der Kontinent auf eine Zukunft mit dauerhaft sengend heißen und trockenen Sommern zu.
Der Beitrag „Extreme Hitze beschleunigt massiven Feuchtigkeitsverlust in Europa“ erschien zuerst auf British Messenger .
